Eine Schublade, ein Wäschekorb, ein Transportwagen, eine Haspel. Vier erfundene Szenen über Dinge in Gebrauch.
01 · Die blaue Linie
Gebrauchsspuren · 001 · 25. Oktober 2026
Die Schublade geht nur auf, wenn man sie links ein wenig anhebt. Emil zieht geradeaus. Die Griffe der Scheren klappern, aber die Lade bleibt stecken.
„Links hoch“, sagt seine Tante.
Er hebt die rechte Seite.
Sie legt eine Hand unter seine. Zusammen bekommen sie die Schublade auf. Darin liegen drei Bleistifte, ein Korken, Gummibänder um eine leere Streichholzschachtel und der Zollstock, den er gesucht hat.
Er braucht ihn für das Brett unter dem Fenster. Dort sollen die Pflanzen stehen, die noch in einer Einkaufstüte auf dem Boden warten. Unter einem der Töpfe steht ein tiefer Teller. Auf seinem Rand ist ein Fisch.
Der Zollstock klappt schwer auf. Zwischen zwei Gliedern steckt ein Rest Erde. Emil reibt ihn mit dem Daumen ab. Bei siebzig Zentimetern verläuft eine blaue Linie quer über die Zahlen.
„Ist das für das Brett?“
Seine Tante kommt aus der Küche zurück. Sie trägt zwei Tassen an den Henkeln, beide in einer Hand.
„Nein. Das war für irgendwas anderes.“
Er legt den Zollstock auf die Fensterbank. Sie ist zweiundachtzig Zentimeter breit. Das Brett darf nicht ganz bis an den Heizungsregler reichen. Er misst noch einmal und schreibt sechsundsiebzig auf die Rückseite eines Umschlags.
Seine Tante stellt die Tassen ab. Eine hinterlässt einen nassen Ring. Sie wischt mit dem Ärmel darüber und sieht zu, wie Emil die Gelenke zusammenlegt.
„Eine Kiste vielleicht“, sagt sie.
„Was?“
„Die siebzig. Dein Onkel hat manchmal Kisten gebaut.“
Emil klappt den Zollstock wieder auseinander. Die Linie ist nicht sauber gezogen. Auf einer Kante läuft sie schräg ab, als hätte jemand das Holz beim Markieren in der Hand gehalten. Er dreht ihn um. Auf der Rückseite ist nichts.
„Für die Werkstatt?“
„Oder für den Wagen. Ich weiß es nicht mehr.“
Sie setzt sich. Draußen wird ein Lieferwagen rückwärts in die Einfahrt gelenkt. Das Piepen hört auf, setzt wieder ein. Emil legt den Zollstock neben den Umschlag und trinkt seinen Kaffee.
Das Brett liegt noch im Keller. Es stammt von einem Regal, das sie im Sommer abgebaut haben. An einer Kante sind die Löcher für die Bodenträger. Seine Tante will sie zur Wand drehen.
Im Keller riecht es nach Kartoffeln und Sägemehl. Er findet die Säge hinter einer Rolle Teppich. Den Zollstock legt er auf das Brett, klappt ihn bis achtzig auf und hält bei sechsundsiebzig den Finger an die Kante. Einen Bleistift hat er nicht mitgenommen.
Er legt den Umschlag mit einer Ecke an den Brettanfang. Das Papier reicht nicht bis zu seinem Finger. Er faltet es wieder zusammen und steckt es ein.
Oben ist seine Tante dabei, die Pflanzen aus der Tüte zu nehmen. Eine hat lange helle Triebe auf der Seite, die zur Wand stand.
„Der kleine Bleistift ist auch in der Schublade“, sagt sie.
Diesmal hebt Emil links an. Die Schublade kommt so leicht heraus, dass er sie beinahe zu weit zieht.
Er nimmt den Bleistift und einen Spitzer ohne Behälter. Über dem Mülleimer dreht er das Holz, bis die Mine wieder eine Spitze hat. Eine Spirale fällt ihm auf den Schuh.
Im Keller legt er das Brett quer über die alte Werkbank, sodass das kurze Ende übersteht. Er misst neu und zieht bei sechsundsiebzig einen Strich, dann noch einen kurzen Winkel über die Brettkante.
Als er die Säge ansetzt, rutscht sie zweimal über die glatte Oberfläche. Beim dritten Versuch fasst sie. Er sägt langsam und hält das Brett mit der freien Hand auf der Werkbank fest. Für die letzten Züge greift er um und stützt das kurze Stück von unten.
Oben schiebt er das Brett auf die beiden Winkel, die noch unter dem Fenster sitzen. Es passt am Heizungsregler vorbei. Seine Tante stellt die Töpfe darauf. Der Teller ist für den kleinen Topf zu breit; sie tauscht ihn gegen einen Untersetzer vom Küchenschrank.
Emil trägt die Säge zurück. Als er wiederkommt, wischt er den Zollstock ab und trocknet die Gelenke mit dem Geschirrtuch.
Er klappt ihn zusammen und legt ihn zu den Bleistiften. Dann schiebt er die Schublade zu. Die letzten zwei Zentimeter muss er etwas fester drücken.
„Die könnte ich auch mal machen“, sagt er.
Seine Tante schaut vom Fenster herüber.
„Heute nicht mehr“, sagt sie. „Der Kaffee ist schon wieder kalt.“
Gebrauchsspuren · 002 · 25. Oktober 2026 · überarbeitet am 26. Oktober 2026
An einem der weißen Körbe fehlt ein Stück vom Rand. Selma nimmt den anderen. Sie stellt ihn vor den Trockner und öffnet die runde Tür. Ein Bettbezug fällt heraus, warm an den Rändern, in der Mitte noch schwer.
Sie greift hinein. Im Bezug steckt die halbe Wäsche, zu einem festen Ball gedreht. Ein Ärmel hängt aus der Öffnung. Selma zieht daran, bis das Hemd auf ihre Schuhe fällt.
Hinter ihr piept eine Maschine. Der Mann auf der Bank sieht von seinem Telefon auf, steht aber nicht auf. Neben ihm liegt eine zusammengerollte Einkaufstasche.
Selma hebt das Hemd auf. Der Boden ist trocken. Sie schüttelt es aus und legt es auf den Bettbezug im Korb.
Auf der Anzeige steht null. Für weitere zehn Minuten braucht sie eine Münze. In ihrem Portemonnaie sind ein Fünf-Euro-Schein, Kupfergeld und ein alter Einkaufschip. Sie dreht den Chip um, obwohl sie weiß, was es ist.
Der Wechselautomat hängt neben der Tür. Auf dem Display läuft ein Satz durch, dessen Anfang verschwunden ist, bevor sie den Rest gelesen hat. Beim zweiten Durchlauf versteht sie: Keine Banknotenannahme.
Sie sieht hinaus. Auf der anderen Straßenseite verkauft eine Bäckerei Kaffee. Das Schild an der Tür wird gerade umgedreht.
„Wechselt der nicht?“, fragt der Mann.
Selma schüttelt den Kopf.
Er durchsucht seine Jacke. Aus einer Tasche kommen ein Schlüsselbund und ein gefalteter Kassenbon, aus der anderen ein Kopfhörer. Er legt alles auf die Bank und fühlt noch einmal nach.
„Auch nichts.“
„Geht schon“, sagt sie.
Sie stellt den Korb auf den Tisch am Fenster. Der Hemdärmel streift über die Kante. Sie zieht ihn hoch, öffnet den Bezug ganz und holt die einzelnen Stücke heraus. Zwei Handtücher sind trocken. Die Socken auch, bis auf eine, die sich an die Innennaht des Bezugs geheftet hat.
Der Mann legt sein Telefon auf die Bank und geht zu der Maschine, die gepiept hat. Er wartet, bis das rote Licht am Türverschluss ausgeht. Dann drückt er mit dem Knie den beschädigten Korb heran.
Eine schwarze Hose bleibt an der Bruchstelle hängen. Er löst den Stoff und dreht den Korb um eine halbe Umdrehung.
Selma breitet den Bettbezug über den Tisch. Er reicht über beide Seiten hinaus. Als der Mann mit seinem Korb näher kommt, schiebt sie ihn zusammen.
„Ich bin gleich fertig.“
„Nur die Ecke.“
Er legt ein T-Shirt darauf und zieht die Seitennähte glatt. Am Saum hängt ein dunkler Streifen Fusseln. Er zupft ihn ab, legt die Ärmel nach innen und rollt das Shirt auf.
Selma sieht ihm zu.
„Kein Trockner?“
„Zu Hause aufhängen.“
Sie nickt und faltet das erste Handtuch. Durch die Scheibe sieht sie die Frau aus der Bäckerei die Markise einholen. Wasser läuft von einem Ende auf den Gehweg.
Unter dem nächsten Shirt liegt ein kleiner nasser Fleck auf dem Tisch. Der Mann hebt es wieder an und sieht darunter.
„Jetzt mache ich dir alles nass.“
Selma schiebt ihre trockenen Sachen auf die andere Seite. „Da ist noch Platz.“
Sie legen eine Weile nebeneinander zusammen. Er rollt, sie faltet. Ein Bus hält vor dem Fenster und verdeckt die Bäckerei. Als er weiterfährt, ist dort das Licht aus.
In Selmas Tasche passt der Bezug nicht mehr über die Handtücher. Sie nimmt alles wieder heraus. Der Mann hat seine nassen Sachen inzwischen in der Einkaufstasche. Er fasst die Henkel zusammen und hebt sie probeweise an.
„Schwerer als vorher“, sagt er.
Selma lacht kurz. Sie stopft den Bezug zuerst hinein und stellt die gefalteten Handtücher aufrecht daneben. Die feuchte Socke steckt sie in die Außentasche, zu ihrem Portemonnaie. Dann nimmt sie sie wieder heraus und schiebt sie mitten in den Bezug.
Der Mann stellt seinen Korb neben die Waschmaschine. Er muss noch einmal zur Bank zurück, um den Schlüsselbund und die anderen Sachen einzustecken. Selma trägt ihren Korb zum Trockner. Auf dem Boden liegt noch eine Socke. Sie hält sie hoch.
„Ihre?“
Er schaut vom Schlüsselbund auf. „Nein.“
Sie legt die Socke auf den Trockner und nimmt ihre Tasche.
Selma zieht den Reißverschluss ihrer Jacke hoch. Unter dem Vordach rückt sie den Trageriemen zurecht. Es regnet noch. Sie geht bis zur Ampel und stellt die Tasche auf ihren rechten Schuh.
Die hintere Rolle steht quer. Wenn Daria den Wagen anschiebt, zieht sie eine kurze schwarze Spur auf dem grauen Boden. Dann dreht sie sich mit einem Schlag, und die Stuhlbeine auf der Ladefläche klappern gegeneinander.
„Nicht so schnell“, sagt jemand hinter der offenen Bühnentür.
Daria bleibt stehen. Sechs Stühle liegen auf dem Wagen, Sitzflächen gegeneinander, die Lehnen zum Griff. Über dem Stapel hängt ein loses Stück Gurt. Sie zieht es durch die Schnalle und steckt das Ende unter die gespannte Bahn.
Das Kabel kommt aus der Bühnentür, läuft quer über den Flur und verschwindet in dem kleinen Raum gegenüber. Daria lässt den Wagen stehen und schaut hinein. Eine Frau sitzt vor zwei Bildschirmen.
„Muss das da bleiben?“
Die Frau hat Kopfhörer auf. Daria hebt das Kabel ein wenig an. Jetzt dreht die Frau sich um und schüttelt den Kopf.
„Nicht ziehen.“
Vom Saal kommt Musik, nur vier Takte. Dieselben vier Takte noch einmal, diesmal lauter.
Cem tritt aus der Bühnentür. In der Hand hält er eine Rolle schwarzes Klebeband. Er sieht den Wagen und bleibt auf der anderen Seite des Kabels stehen.
„Die sollen nach rechts.“
„Von hier aus rechts?“
Er schaut über die Schulter in den Saal. „Warte.“
Daria zieht den Wagen ein Stück zurück. Die Rolle schlägt wieder um. Ein Mann mit einem langen zusammengerollten Teppich kommt aus dem Treppenhaus und drückt sich seitlich vorbei. Sein Ärmel streift über eine Stuhllehne.
„Fahren die heute noch?“, fragt er.
„Sie stehen gerade.“
Er lacht nicht. Am anderen Ende des Flurs ruft jemand nach dem Teppich.
Cem kniet beim Kabel. Er löst das bereits festgetretene Band vom Boden. Darunter hängt Staub. Einen Streifen klebt er quer über das Kabel und reibt ihn mit dem Handballen an.
„Da kannst du drüber.“
Daria fährt langsam an. Die vorderen Rollen kommen hinüber. Hinten bleibt der Wagen hängen. Sie drückt fester, der Stapel neigt sich ein wenig nach vorn.
„Lass“, sagt Cem.
Sie nimmt den Druck vom Griff. Er fasst seitlich an den Rahmen, sie greift unter den hinteren Rand der Ladefläche. Zusammen heben sie das hintere Ende ein paar Zentimeter an und setzen es jenseits des Kabels ab. Als Daria wieder an den Griff fasst, klemmt ihr Daumen kurz zwischen Bügel und Stuhllehne. Sie zieht ihn heraus und steckt ihn in den Mund.
Aus dem Nebenraum sagt die Frau: „Ist alles noch drin?“
Cem beugt sich durch die Tür. „Bild da?“
Sie schaut auf die Monitore. „Ja.“
Cem zieht den Wagen durch die Bühnentür, Daria schiebt am Griff. Auf der Bühne geht weißes Licht an. Jetzt sieht sie die offene Stelle im schwarzen Bezug eines Sitzes. Gelber Schaumstoff kommt heraus. Sie schiebt den Finger nicht hinein, obwohl sie schon die Hand ausgestreckt hat.
Eine Frau mit einem Klemmbrett kommt ihnen entgegen.
„Sechs? Ich brauche acht.“
Cem zeigt auf den Stapel. „Das sind die ohne Armlehnen.“
„Ja. Acht ohne Armlehnen.“
Er zieht sein Telefon heraus. Daria öffnet die Schnalle, zieht die Bahn locker und legt das freie Ende neben die Stühle. Auf einer Seite ist der Gurt klebrig.
Die Frau deutet auf eine Stelle neben dem Vorhang. „Erst mal hier. Nicht auf die Markierungen.“
Über den Boden laufen schmale farbige Streifen. Daria hebt mit Cem den ersten Stuhl herunter. Einer nach dem anderen kommt neben den Vorhang. Beim letzten bleibt der Gurt an einem Fuß hängen.
„Den nicht“, sagt die Frau und zeigt auf den offenen Sitz.
Daria hat ihn schon in der Hand. Sie stellt ihn aufrecht zurück auf den Wagen. Cem hält ihr sein Telefon hin. Auf dem Display steht eine Nachricht: sechs Stühle, keine Armlehnen.
Die Frau liest, presst die Lippen zusammen und geht zur Bühnenmitte. „Wir haben fünf“, ruft sie.
Die Musik bricht ab.
Daria legt den Gurt um den einzelnen Stuhl, zieht ihn straff und wickelt das lange freie Ende zweimal um den Griff. Cem verschwindet durch eine Tür hinter dem Vorhang. Er hat gesagt, dort könnten noch welche stehen.
Daria schiebt den Wagen zurück durch die Bühnentür. Mit den vorderen Rollen kommt sie schräg über das Kabel. Hinten zieht der Wagen zur Seite. Sie hält an, zieht ihn eine Handbreit zurück und versucht es noch einmal. Diesmal rollt er darüber.
Im Flur hat jemand den Teppich abgestellt. Er lehnt vor dem Platz, an dem der Wagen gestanden hat. Daria schiebt den Stuhl bis zur Wand gegenüber. Neben dem Lichtschalter hängt ein Bleistift an einer Schnur. Sie nimmt eine alte Versandhülle aus der Ablage, reißt ein Stück ab und schreibt „Sitz kaputt“ darauf. Die Schnur reicht gerade bis zur Kante.
Sie schiebt den Zettel unter den Gurt auf der Sitzfläche. Beim Loslassen rutscht er bis an die Lehne; sie zieht ihn wieder ein Stück vor.
Hinter der Bühnentür beginnt die Musik. Jemand ruft etwas dazwischen. Daria hängt den Bleistift zurück und schiebt den Wagen näher an die Wand, damit der Durchgang frei bleibt.
Am flachen Ende des Beckens steht die Haspel. An ihrem rechten Rad klebt ein helles Pflaster. Wenn Neda sie aus dem Geräteraum schiebt, kommt es bei jeder Umdrehung oben vorbei.
Sie stellt die Räder parallel zur Beckenkante und tritt die Bremsen fest. Dann geht sie zu der ersten Leine. Ihre Knie spiegeln sich im Wasser, länger als ihre Beine.
Für den Vormittag sind drei Bahnen bestellt. Die Leinen liegen auf der Trommel. Die Wandösen an dieser Seite sind noch frei. Sie löst die erste Leine aus der seitlichen Halterung und steigt die Leiter hinunter. Das Wasser reicht ihr zunächst bis zu den Waden, dann bis zur Brust. Sie hält den Haken hoch, stößt sich ab und schwimmt auf dem Rücken zum anderen Ende.
Hinter ihr dreht sich die Trommel langsam. Die Schwimmkörper machen ein trockenes Rasseln, solange sie noch oben sind. Im Wasser hört es auf. Neda sieht durch die Deckenfenster den grauen Himmel. Sie zählt keine Züge. An den letzten drei Lampen weiß sie, wie weit es noch ist.
Am tiefen Ende fasst sie mit einer Hand an die Kante und hängt den Haken in die Wandöse. Die Leine liegt noch locker auf dem Wasser. Sie schwimmt zur Leiter in der Ecke.
Als sie wieder oben steht, läuft ihr Wasser an den Beinen hinunter. Auf den Fliesen bleibt von jedem Fuß ein Abdruck, daneben fallen kleinere Tropfen. Sie geht außen zurück.
Der Kollege kommt aus dem Gang zu den Duschen. Er trägt die Tafel mit den Kurszeiten unterm Arm.
„Du bist schon drin gewesen?“
Sie zeigt auf die Leine.
Er stellt die Tafel an die Wand und zieht seine Schuhe aus. Während Neda die zweite Leine löst, steigt er ins Becken. Er schwimmt Brust, den Haken in der rechten Hand, und kommt immer ein wenig aus der Richtung. Die Leine zieht einen Bogen hinter ihm her.
Neda wartet, bis er die andere Wand erreicht hat. Dann nimmt sie das zurückgebliebene Ende der ersten Leine von der Trommel, hängt es in die Wandöse und zieht den Spannhebel zu. Die Schwimmkörper rücken in eine gerade Reihe. Sie prüft den Sitz des Hakens und befestigt die zweite ebenso.
Die dritte schwimmt sie wieder selbst hinaus. Jetzt ist das Wasser bewegt. Als sie auf den Rücken dreht, läuft ihr ein kleiner Schwall ins Ohr. Sie hält den Kopf schräg, ohne langsamer zu werden.
Oben im Gang fällt eine Tür ins Schloss. Schritte kommen bis zur Scheibe und bleiben stehen. Neda sieht nur dunkle Hosenbeine, dahinter die Streifen eines Bademantels.
Der Kollege hängt das letzte Ende von der Trommel in die Wandöse und spannt die Leine. Neda steigt aus und holt ihr Handtuch vom Geländer. Sie trocknet erst das Gesicht, dann fährt sie mit einer Ecke durch die Ohrmuschel. Es rauscht noch.
Sie lösen die Bremsen der leeren Haspel. Der Kollege schiebt, Neda hält die Tür zum Geräteraum auf. Das Rad mit dem Pflaster rollt über die Schwelle. Sie schiebt die Tafel mit den Kurszeiten aus dem Weg und hängt sie an die beiden Schrauben neben der Tür.
Von der Kasse ertönt der Summer.
Ein Mann geht bis zum Beckenrand, stellt seine Badeschuhe nebeneinander und steigt langsam hinunter. Er taucht die Schultern ein, streicht sich Wasser über die Arme und schwimmt los. Unter der ersten Leine hindurch wechselt er auf die mittlere Bahn.
Neda nimmt die leere Tasse vom Fensterbrett. Unten ist noch ein brauner Rand. In der kleinen Küche lässt sie Wasser hineinlaufen. Als sie den Kopf zum Schrank dreht, wird ihr Ohr frei. Sie hört das Schlagen der Schranktür und aus der Halle den ersten kräftigen Sprung.