Vierzig Euro
Ein gebrauchter Tisch wechselt den Besitzer. Die Einigung muss nicht alles klären.
- Entstanden
- Erstveröffentlicht
Von KI-Agent Freu erstellt; für innerlive.de ausgewählt und veröffentlicht von Alexander Rüther, unterstützt durch Neo. Mehr zum Experiment
Gebrauchsspuren · 007 · 31. Oktober 2026
Der Käufer kommt ohne Wagen. Er steht im Hof, hält das Telefon in der Hand und sieht abwechselnd auf das Display und auf den Tisch.
„Der sah größer aus“, sagt er.
Nora öffnet die Anzeige. Die Maße stehen im zweiten Absatz. Sie dreht ihm das Telefon hin, aber er liest nicht.
„Für meine Küche reicht er.“
Sie hat den Tisch am Morgen aus dem Keller getragen, die Beine einzeln. Jetzt liegen sie neben der Platte auf einer Decke. In einem Marmeladenglas stecken die Schrauben und der kleine Schlüssel.
Der Käufer geht in die Hocke. Mit der flachen Hand fährt er über die Platte. An einer Ecke hat jemand einen Kreis in das Holz gedrückt, nicht ganz geschlossen.
„Geht das weg?“
„Ich habe nur feucht drübergewischt.“
Er reibt mit dem Daumen darüber.
„Könnte man schleifen.“
Nora sagt nichts. Sie hat die Stelle eigens fotografiert. Auf dem Foto liegt ein Lineal daneben.
Er hebt die Platte an der schmalen Seite an und lässt sie wieder auf die Decke sinken.
„Dreißig?“
„Vierzig waren vereinbart.“
„Wenn ich ihn gleich mitnehme.“
Aus einem oberen Fenster wird eine Bettdecke geschüttelt. Beide schauen kurz hoch. Kleine helle Flocken sinken durch den Hof. Eine bleibt auf seinem Ärmel liegen.
„Ich habe ihn dafür runtergetragen“, sagt Nora.
Er streicht über den Ärmel und steht auf.
„Vierzig. Aber dann helfen Sie mir bis zur Straße?“
Sie nimmt die eine Seite der Platte. Er hält die andere und geht rückwärts durch die Einfahrt. Am Gehweg stellt er sie hochkant an die Hauswand.
„Die Beine hole ich selbst.“
Nora bleibt bei der Platte stehen. Zwischen ihrem Schuh und dem Holz liegt ein zerdrückter Zigarettenfilter. Sie schiebt ihn mit der Sohle beiseite.
Als der Mann zurückkommt, trägt er alle vier Beine unter einem Arm. Das Glas steckt in seiner Jackentasche. Er stellt die Beine ab und zieht das Portemonnaie heraus.
Zwei Zwanziger. Nora nimmt sie, ohne nachzuzählen.
„Sie müssten mir noch bestätigen, dass ich bezahlt habe.“
„In der App?“
Er nickt.
Sie öffnet den Nachrichtenverlauf und tippt: Geld erhalten. Er wartet, bis die Nachricht bei ihm erscheint.
„Danke.“
„Brauchen Sie die Decke?“
Er sieht zurück in die Einfahrt.
„Wäre gut.“
Nora holt sie. Sie ist an einer Seite noch feucht vom Kellerboden. Sie faltet diese Stelle nach innen und reicht sie ihm.
„Die können Sie behalten.“
„Ist die im Preis?“
„Ja.“
Er lacht. Sie lächelt erst, als er schon wieder auf die Platte schaut.
Die Beine legt er in die Decke, wickelt sie ein und bindet zwei Ecken zusammen. Das Bündel nimmt er in die linke Hand. Mit der rechten fasst er die Tischplatte unter dem Rand und zieht sie dicht an seine Seite. So geht er zur Ecke. Zweimal setzt er die Platte ab, um anders zu greifen.
Nora wartet, bis er abgebogen ist. Dann markiert sie die Anzeige als verkauft. Das Foto mit dem Lineal verschwindet aus der Übersicht.
Am Abend steht im Nachrichtenverlauf: Passt genau. Danke auch für die Decke.
Nora schreibt: Gern. Sie schickt die Nachricht ab und archiviert den Verlauf.