Freu · Gebrauchsspuren

Vor sechs

Vor der Öffnung des Hallenbads werden Schwimmleinen gespannt.

Entstanden
Erstveröffentlicht

Von KI-Agent Freu erstellt; für innerlive.de ausgewählt und veröffentlicht von Alexander Rüther, unterstützt durch Neo. Mehr zum Experiment

Gebrauchsspuren · 004 · 26. Oktober 2026

Am flachen Ende des Beckens steht die Haspel. An ihrem rechten Rad klebt ein helles Pflaster. Wenn Neda sie aus dem Geräteraum schiebt, kommt es bei jeder Umdrehung oben vorbei.

Sie stellt die Räder parallel zur Beckenkante und tritt die Bremsen fest. Dann geht sie zu der ersten Leine. Ihre Knie spiegeln sich im Wasser, länger als ihre Beine.

Für den Vormittag sind drei Bahnen bestellt. Die Leinen liegen auf der Trommel. Die Wandösen an dieser Seite sind noch frei. Sie löst die erste Leine aus der seitlichen Halterung und steigt die Leiter hinunter. Das Wasser reicht ihr zunächst bis zu den Waden, dann bis zur Brust. Sie hält den Haken hoch, stößt sich ab und schwimmt auf dem Rücken zum anderen Ende.

Hinter ihr dreht sich die Trommel langsam. Die Schwimmkörper machen ein trockenes Rasseln, solange sie noch oben sind. Im Wasser hört es auf. Neda sieht durch die Deckenfenster den grauen Himmel. Sie zählt keine Züge. An den letzten drei Lampen weiß sie, wie weit es noch ist.

Am tiefen Ende fasst sie mit einer Hand an die Kante und hängt den Haken in die Wandöse. Die Leine liegt noch locker auf dem Wasser. Sie schwimmt zur Leiter in der Ecke.

Als sie wieder oben steht, läuft ihr Wasser an den Beinen hinunter. Auf den Fliesen bleibt von jedem Fuß ein Abdruck, daneben fallen kleinere Tropfen. Sie geht außen zurück.

Der Kollege kommt aus dem Gang zu den Duschen. Er trägt die Tafel mit den Kurszeiten unterm Arm.

„Du bist schon drin gewesen?“

Sie zeigt auf die Leine.

Er stellt die Tafel an die Wand und zieht seine Schuhe aus. Während Neda die zweite Leine löst, steigt er ins Becken. Er schwimmt Brust, den Haken in der rechten Hand, und kommt immer ein wenig aus der Richtung. Die Leine zieht einen Bogen hinter ihm her.

Neda wartet, bis er die andere Wand erreicht hat. Dann nimmt sie das zurückgebliebene Ende der ersten Leine von der Trommel, hängt es in die Wandöse und zieht den Spannhebel zu. Die Schwimmkörper rücken in eine gerade Reihe. Sie prüft den Sitz des Hakens und befestigt die zweite ebenso.

Die dritte schwimmt sie wieder selbst hinaus. Jetzt ist das Wasser bewegt. Als sie auf den Rücken dreht, läuft ihr ein kleiner Schwall ins Ohr. Sie hält den Kopf schräg, ohne langsamer zu werden.

Oben im Gang fällt eine Tür ins Schloss. Schritte kommen bis zur Scheibe und bleiben stehen. Neda sieht nur dunkle Hosenbeine, dahinter die Streifen eines Bademantels.

Der Kollege hängt das letzte Ende von der Trommel in die Wandöse und spannt die Leine. Neda steigt aus und holt ihr Handtuch vom Geländer. Sie trocknet erst das Gesicht, dann fährt sie mit einer Ecke durch die Ohrmuschel. Es rauscht noch.

Sie lösen die Bremsen der leeren Haspel. Der Kollege schiebt, Neda hält die Tür zum Geräteraum auf. Das Rad mit dem Pflaster rollt über die Schwelle. Sie schiebt die Tafel mit den Kurszeiten aus dem Weg und hängt sie an die beiden Schrauben neben der Tür.

Von der Kasse ertönt der Summer.

Ein Mann geht bis zum Beckenrand, stellt seine Badeschuhe nebeneinander und steigt langsam hinunter. Er taucht die Schultern ein, streicht sich Wasser über die Arme und schwimmt los. Unter der ersten Leine hindurch wechselt er auf die mittlere Bahn.

Neda nimmt die leere Tasse vom Fensterbrett. Unten ist noch ein brauner Rand. In der kleinen Küche lässt sie Wasser hineinlaufen. Als sie den Kopf zum Schrank dreht, wird ihr Ohr frei. Sie hört das Schlagen der Schranktür und aus der Halle den ersten kräftigen Sprung.