Das vierte Rad
Beim Bühnenaufbau geraten ein Transportwagen, Kabel und eine Stuhlbestellung aneinander.
- Entstanden
- Erstveröffentlicht
Von KI-Agent Freu erstellt; für innerlive.de ausgewählt und veröffentlicht von Alexander Rüther, unterstützt durch Neo. Mehr zum Experiment
Gebrauchsspuren · 003 · 26. Oktober 2026
Die hintere Rolle steht quer. Wenn Daria den Wagen anschiebt, zieht sie eine kurze schwarze Spur auf dem grauen Boden. Dann dreht sie sich mit einem Schlag, und die Stuhlbeine auf der Ladefläche klappern gegeneinander.
„Nicht so schnell“, sagt jemand hinter der offenen Bühnentür.
Daria bleibt stehen. Sechs Stühle liegen auf dem Wagen, Sitzflächen gegeneinander, die Lehnen zum Griff. Über dem Stapel hängt ein loses Stück Gurt. Sie zieht es durch die Schnalle und steckt das Ende unter die gespannte Bahn.
Das Kabel kommt aus der Bühnentür, läuft quer über den Flur und verschwindet in dem kleinen Raum gegenüber. Daria lässt den Wagen stehen und schaut hinein. Eine Frau sitzt vor zwei Bildschirmen.
„Muss das da bleiben?“
Die Frau hat Kopfhörer auf. Daria hebt das Kabel ein wenig an. Jetzt dreht die Frau sich um und schüttelt den Kopf.
„Nicht ziehen.“
Vom Saal kommt Musik, nur vier Takte. Dieselben vier Takte noch einmal, diesmal lauter.
Cem tritt aus der Bühnentür. In der Hand hält er eine Rolle schwarzes Klebeband. Er sieht den Wagen und bleibt auf der anderen Seite des Kabels stehen.
„Die sollen nach rechts.“
„Von hier aus rechts?“
Er schaut über die Schulter in den Saal. „Warte.“
Daria zieht den Wagen ein Stück zurück. Die Rolle schlägt wieder um. Ein Mann mit einem langen zusammengerollten Teppich kommt aus dem Treppenhaus und drückt sich seitlich vorbei. Sein Ärmel streift über eine Stuhllehne.
„Fahren die heute noch?“, fragt er.
„Sie stehen gerade.“
Er lacht nicht. Am anderen Ende des Flurs ruft jemand nach dem Teppich.
Cem kniet beim Kabel. Er löst das bereits festgetretene Band vom Boden. Darunter hängt Staub. Einen Streifen klebt er quer über das Kabel und reibt ihn mit dem Handballen an.
„Da kannst du drüber.“
Daria fährt langsam an. Die vorderen Rollen kommen hinüber. Hinten bleibt der Wagen hängen. Sie drückt fester, der Stapel neigt sich ein wenig nach vorn.
„Lass“, sagt Cem.
Sie nimmt den Druck vom Griff. Er fasst seitlich an den Rahmen, sie greift unter den hinteren Rand der Ladefläche. Zusammen heben sie das hintere Ende ein paar Zentimeter an und setzen es jenseits des Kabels ab. Als Daria wieder an den Griff fasst, klemmt ihr Daumen kurz zwischen Bügel und Stuhllehne. Sie zieht ihn heraus und steckt ihn in den Mund.
Aus dem Nebenraum sagt die Frau: „Ist alles noch drin?“
Cem beugt sich durch die Tür. „Bild da?“
Sie schaut auf die Monitore. „Ja.“
Cem zieht den Wagen durch die Bühnentür, Daria schiebt am Griff. Auf der Bühne geht weißes Licht an. Jetzt sieht sie die offene Stelle im schwarzen Bezug eines Sitzes. Gelber Schaumstoff kommt heraus. Sie schiebt den Finger nicht hinein, obwohl sie schon die Hand ausgestreckt hat.
Eine Frau mit einem Klemmbrett kommt ihnen entgegen.
„Sechs? Ich brauche acht.“
Cem zeigt auf den Stapel. „Das sind die ohne Armlehnen.“
„Ja. Acht ohne Armlehnen.“
Er zieht sein Telefon heraus. Daria öffnet die Schnalle, zieht die Bahn locker und legt das freie Ende neben die Stühle. Auf einer Seite ist der Gurt klebrig.
Die Frau deutet auf eine Stelle neben dem Vorhang. „Erst mal hier. Nicht auf die Markierungen.“
Über den Boden laufen schmale farbige Streifen. Daria hebt mit Cem den ersten Stuhl herunter. Einer nach dem anderen kommt neben den Vorhang. Beim letzten bleibt der Gurt an einem Fuß hängen.
„Den nicht“, sagt die Frau und zeigt auf den offenen Sitz.
Daria hat ihn schon in der Hand. Sie stellt ihn aufrecht zurück auf den Wagen. Cem hält ihr sein Telefon hin. Auf dem Display steht eine Nachricht: sechs Stühle, keine Armlehnen.
Die Frau liest, presst die Lippen zusammen und geht zur Bühnenmitte. „Wir haben fünf“, ruft sie.
Die Musik bricht ab.
Daria legt den Gurt um den einzelnen Stuhl, zieht ihn straff und wickelt das lange freie Ende zweimal um den Griff. Cem verschwindet durch eine Tür hinter dem Vorhang. Er hat gesagt, dort könnten noch welche stehen.
Daria schiebt den Wagen zurück durch die Bühnentür. Mit den vorderen Rollen kommt sie schräg über das Kabel. Hinten zieht der Wagen zur Seite. Sie hält an, zieht ihn eine Handbreit zurück und versucht es noch einmal. Diesmal rollt er darüber.
Im Flur hat jemand den Teppich abgestellt. Er lehnt vor dem Platz, an dem der Wagen gestanden hat. Daria schiebt den Stuhl bis zur Wand gegenüber. Neben dem Lichtschalter hängt ein Bleistift an einer Schnur. Sie nimmt eine alte Versandhülle aus der Ablage, reißt ein Stück ab und schreibt „Sitz kaputt“ darauf. Die Schnur reicht gerade bis zur Kante.
Sie schiebt den Zettel unter den Gurt auf der Sitzfläche. Beim Loslassen rutscht er bis an die Lehne; sie zieht ihn wieder ein Stück vor.
Hinter der Bühnentür beginnt die Musik. Jemand ruft etwas dazwischen. Daria hängt den Bleistift zurück und schiebt den Wagen näher an die Wand, damit der Durchgang frei bleibt.